Projekte (Univ. Wien)

Egyptian Root Lexicon

Doz. Ao. Univ.-Prof. Dr. Helmut Satzinger
ao. Univ.-Prof. HR Doz. Dr. Helmut Satzinger

Wenngleich die Lexikographie der ägyptischen Sprache seit fast zweihundert Jahren betrieben wird, hat diese Tätigkeit bisher noch keine generelle Bestandsaufnahme der Sprachwurzeln ergeben. Die Wurzeln, abstrakte Elemente, von denen die Lexeme abgeleitet sind, unterscheiden sich oft von diesen, wodurch sie in der alphabetischen Reihenfolge des Lexikons an anderer Stelle erscheinen: Einige Stämme von ägyptischen Verben werden von ihren Wurzeln durch die Anfügung eines Präfixes abgeleitet, wie s-, n- oder m-, und/oder durch Verdoppelung der Wurzel, wie snsn ’sich gesellen‘ im Vergleich zu sn von ähnlicher Bedeutung. Die Identifizierung der Wurzeln ist nicht immer eine leichte Aufgabe, sie erfordert in vielen Fällen sowohl philologische als auch linguistische Methoden. Es ist einerseits wichtig, die Mechanismen der Ableitung zu beschreiben und zu systematisieren, andererseits ist das Studium der semantischen Erscheinungen, der Bedeutungsentwicklungen, ebenso bedeutend.

Das Corpus der ägyptischen Sprache ist in einem ständigen Wandel begriffen. Neue Lexeme können in Erscheinung treten, wann immer ein neuer Text veröffentlicht wird. Mit jeder philologischen Forschung können neue Bedeutungen und Funktionen oder neue Schreibungen von bereits bestehenden Lexemen auftauchen. Eine bedeutsame Sammlung von Lexemen ist der Thesaurus Linguae Aegyptiae der Akademie der Wissenschaften in Berlin, der alle Stichwörter des großen Wörterbuchs der ägyptischen Sprache (die Hauptbände sind bis 1931 erschienen) online darbietet, samt den zahlreichen Zetteln dafür, die von einem internationalen Team von Experten für ägyptische Texte erstellt worden sind; es verfolgt aber auch alle spätere Entwicklung. Es gibt jedoch noch weitere lexikographische Behelfe, wie die Wörterbücher von R. Hannig (Altes und Mittleres Reich), von L. Lesko (neuägyptisch), P. Wilson (ptolemäische Texte) und andere. Diesen sollten die demotischen und koptischen Wörterbücher hinzugefügt werden, um Wurzeln und Lexeme in die letzten Stadien der Sprache zu verfolgen.

Das vom FWF geförderte Projekt "Egyptian Root Lexicon" (P 30340-G25) wird vom Projektleiter mit Unterstützung zweier Mitarbeiterinnen am Institut für Ägyptologie der Universität Wien durchgeführt. Das entstehende Wurzellexikon soll sowohl als Buch als auch online veröffentlicht werden, um zukünftige Updates zu erleichtern.

Projektmitarbeiterinnen:
Kristina Hutter, BA, MA (Ägyptologie)
Dr. Danijela Stefanovic (Ägyptologie)

Projektdauer:36 Monate (2017-2019)

GEMALT FÜR DIE EWIGKEIT Die Dekoration der Särge des Mittleren Reichs aus Beni Hassan – eine kunsthistorische Fallstudie

Ao. Univ. Prof. Dr. Peter Jánosi

Das Projekt, das vom Wissenschaftsfonds gefördert wird (P31390-G25), beabsichtigt, die gemalte, figurative Dekoration der typischen Holzkastensärge des Mittleren Reiches von einem kunsthistorischen Standpunkt aus zu untersuchen. Die Nekropole von Beni Hassan wurde als Fallstudie ausgewählt, da aus diesem wichtigen Friedhof in Mittelägypten die höchste Anzahl von Särgen stammt, die bei archäologischen Ausgrabungen entdeckt wurden. Sie datieren in die Zeitspanne von der 11. Dynastie bis mindestens zur Regierungszeit Sesostris‘ III.

Den Forschungsschwerpunkt bildet eine kunsthistorische Analyse der auf die Särge gemalten dekorativen Elemente wie den ornamentalen Rahmungen und ornamentalen Hieroglyphen, den Darstellungen der wDA.t-Augen, architektonischer Elemente einschließlich der Scheintür sowie der Palastfassade, den Opfertisch mit den assoziierten Opfergaben und den Objektfries. Umfassend untersucht werden ihre Ikonographie samt der Farbgebung und des Layouts, wobei mögliche stilistische Merkmale und künstlerische Entwicklungen herausgearbeitet sowie Werkstätten oder Künstler identifiziert werden sollen. Besondere Beachtung erfahren die sogenannten Objektfriese, die Auswahl der einzelnen abgebildeten Objekte, ihre Gestaltung und Anordnung. Anschließend wird die Sargdekoration sowohl mit den Darstellungen in den Felsgräbern hoher Beamter aus Beni Hassan als auch mit den Särgen aus weiteren mittelägyptischen Nekropolen verglichen.

Eine kunsthistorische Auswertung von Särgen des Mittleren Reiches wurde bisher noch nicht unternommen, da angemessene Publikationen der meisten Särge ein Desideratum ägyptologischer Forschung darstellen. Deshalb wird eine professionelle fotographische Dokumentation aller dekorierten Beni Hassan-Särge einen essentiellen Arbeitsschritt des Projektes bilden. Sie befinden sich heutzutage in verschiedenen – hauptsächlich europäischen – Museen.

Die Analyse kann sich des MEKETREpositorys bedienen, einer umfangreichen Datenbank von Reliefs und Malereien aus Gräbern hoher Beamter des Mittleren Reiches, insbesondere jener aus Beni Hassan. Sie bietet eine unschätzbare Informationsquelle zur Kunst des Mittleren Reiches und ist das Resultat des „MEKETRE-Projektes“ sowie des Projektes „From Object to Icon“, welche beide vom Antragsteller Prof. Dr. Peter-Christian Jánosi geleitet worden sind (FWF, P 21571–G21 und P 25958–G21). Ein Aspekt des geplanten Projektes soll deren Ausbau durch das Hinzufügen von detaillierten Einträgen zu den Särgen aus Beni Hassan sein. Zudem wird ein Update der Datenbank die FAIR Data-Prinzipien verwirklichen und somit auch zukünftig eine optimale Benutzerfreundlichkeit garantieren.

Projektlaufzeit

Februar 2019 - Jänner 2022

Projektmitarbeiterinnen:

Dr. Lubica Hudáková (geb. Zelenková) (Ägyptologie)
Uta Siffert BA, MA (Ägyptologie)

 

Letzte Aktualisierung: 13. 05. 2019