ÄGYPTOLOGIE
INFORMATIONSBLATT
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DER
DEUTSCHSPRACHIGEN ÄGYPTOLOGIE

Projekte: Tübingen

DFG-Projekt Athribis (DFG)
Prof. Dr. Christian Leitz, Dr. D. Mendel-Leitz
Das Athribis-Projekt ist ein archäologisch-philologisches Forschungsprojekt der Abteilung für Ägyptologie des Instituts für die Kulturen des alten Orients - IANES an der Eberhard Karls Universität Tübingen in Kooperation mit dem ägyptischen Supreme Council of Antiquities sowie verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen und freiberuflichen Mitarbeitern aus Deutschland, Polen, England und Frankreich. Hauptzielsetzung des Projektes ist die archäologische Erforschung der antiken Stadt Athribis in Oberägypten und ihrer Monumente, deren Geschichte sich vom 4. Jh. v.Chr. bis in das 11. Jh. n.Chr. erstreckt. Im Mittelpunkt steht der große, den Göttern Min und Repit geweihte Tempel aus ptolemäisch-römischer Zeit, der abgesehen von seiner baulichen Substanz und künstlerischen Ausgestaltung ein einzigartiges religiöses Textcorpus überliefert. Entsprechend widmet sich das Projekt der Dokumentation und wissenschaftlichen Erschließung der archäologischen Funde und Befunde sowie der Aufnahme und Edition der Tempelinschriften. Um die Reliefs und Wandmalereien in den Tempeln von Athribis erhalten zu können, wurde zudem ein Konservierungskonzept entwickelt. Fernziel ist die Rekonstruktion der Geschichte der Stadt und ihrer Kulte. Das Athribis-Projekt wurde 1998 von Rafed El-Sayed initiiert und konzipiert und zusammen mit Yahya El-Masry und Christian Leitz aufgebaut. Das Athribis-Projekt ist ein pluridisziplinäres Unternehmen, das von Forschern und Fachkräften aus Deutschland, Polen, England, Frankreich und Ägypten getragen wird. Das Projekt umfasst die Arbeitsbereiche Archäologie und Bauforschung, Epigraphik und Textedition, Vermessungswesen und Konservierung. Beteiligte Institutionen: Abteilung für Ägyptologie des Instituts für die Kulturen des alten Orients IANES an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Supreme Council of Antiquities, Prof. Dr. Yahya El-Masry, Egypt (seit 2003). Institute of Architecture History, Technical University of Wroclaw (seit 2003). HS Bochum, Labor für 3D-Scanning, Fachbereich Vermessung und Geoinformatik (seit 2003). FH Köln, Inst. für Restaurierung und Konservierung (2004-2009). Die Kampagnen der Jahre 2003 und 2004 wurden durch eine Sachbeihilfe der Fritz-Thyssen-Stiftung ermöglicht. Seit Januar 2005 wird das Athribis-Projekt als Langfristvorhaben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Ergebnisse der Projektarbeit werden in einer eigens eingerichteten Reihe vom Institut français d'archéologie orientale (IFAO) publiziert.
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Die Stiersärge von Tell Abû-Yâsîn
Dr. D. Mendel-Leitz
Die Stiersärge von Tell Abû-Yâsîn sind, obwohl sie schon 1937 aufgefunden wurden, zum allergrößten Teil unpubliziert geblieben. Es handelt sich dabei um ein für das alte Ägypten einzigartiges Ensemble mit zahlreichen singulären Darstellungen. Angefertigt wurden die Särge für das heilige Tier des falkengestaltigen Hormerti, einem Gott aus dem südöstlichen Nildelta, der in der Dekoration auch häufiger vertreten ist. Anders als das bei Tiersärgen in der Regel üblich ist, sind hier die Innenseiten der Wannen als auch die Unterseite der Deckel und der Boden vollständig mit Reliefs versehen worden. Die dekorierten Stücke wurden um 1940 in das ägyptische Museum von Kairo gebracht. Der undekorierte Teil verblieb vor Ort und kann dort heute noch besichtigt werden. Drei der Sargdeckel und -wannen gehören zusammen. Hier gewinnt man einen vollständigen Eindruck von der Dekoration eines kompletten Sarges. Alleine die vier Seitenwände einer vollständigen Sargwanne enthielten ursprünglich nahezu 400 Götterdarstellungen mit dazugehörigen Beischriften. Auf den Sargdeckeln ist z. B. die Himmelsgöttin Nut mit den zwölf Tag- und Nachtstunden neben einer großen Anzahl der unterschiedlichsten Gottheiten, darunter auch diverse Sternbilder und Himmelskonstellationen dargestellt. In dem von der DFG geförderten Projekt soll in den nächsten drei Jahren, bis 2012 dieses Ensemble in einer Monographie aufgeabeitet werden. Dabei sollen die hieroglyphischen Texte in Abschrift, Übersetzung und Kommentar vorgestellt, sowie Strichzeichnungen von den Reliefs mittels eines elektronischen Zeichenbrettes angefertigt werden.
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Qarâra
Béatrice Huber
Qarara liegt in Mittelägypten, ca. 10 km nördlich von el-Kom el-Ahmar/ Šaruna. Der Ort ist zusammen mit Antinoopolis und Achmim als einer der ersten spätantiken Friedhöfen, die das Objekt großangelegter Ausgrabungen waren, in die Forschungsgeschichte eingegangen. In den Jahren 1913 und 1914 wurden unter der Leitung von Hermann Ranke Untersuchungen in den ausgedehnten Friedhöfen von Qarara durchgeführt, die dazugehörige Siedlung wurde nur kurz sondiert. Die Fundausbeute, vor allem das Textilmaterial, fiel nicht so reich aus wie in Antinoopolis und Achmim, wurde aber, im Gegensatz zu diesen zwei Orten, nicht verstreut und gelangte zu einem großen Teil nach Freiburg und Heidelberg. Danach fand der Platz bis zum Ende des letzten Jahrhunderts keinerlei Interesse mehr in der Forschung. Infolge von Baumaßnahmen auf dem Dorfplatz führte die ägyptische Altertümerverwaltung einige Sondierungen durch: Teile eines anepigraphen Tempels, der wahrscheinlich zwischen der Dritten Zwischenzeit und der ptolemäischen Zeit gebaut wurde, ein Tierfriedhof und schließlich römische und koptische Gräber wurden freigelegt. Die Wiederaufnahme der archäologischen Untersuchungen in Qarara erfolgt im Rahmen eines Projekts, dessen Ziel es ist, den Siedlungsraum zwischen el-Kom el-Ahmar/ Šaruna und Qarara/Qasr el-Banat bzw. Aulad es-Sheikh in seiner Kontinuität unter chronologischen, wirtschaftlichen sowie topographischen Aspekten zu dokumentieren. Ausgangspunkt ist der Siedlungskomplex von el-Kom el-Ahmar/Šaruna, der archäologisch und historisch genauer erforscht ist. Die bisher identifizierten Fundstellen datieren vom Alten Reich bis zur spätrömisch-byzantinischen Zeit. Die Denkmäler all dieser Fundstellen sind durch Plünderung sowie die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen stark gefährdet, so dass die Untersuchungen dringend notwendig sind. In einem ersten Schritt wurde 2003 und 2008 ein Survey bis nach Qasr el-Banat im Norden und Maghayir el-Hib im Süden unternommen. Zielsetzung der Forschung in Qarara ist die Klärung der Befundverhältnisse und chronologischen Beziehungen zwischen Friedhof und Siedlungsstrukturen. In den Jahren 2008 und 2009 wurden im Siedlungsareal und im Friedhof an Stellen, die für die obige Fragestellung relevant erschienen, Sondierungen durchgeführt. Ein geologisches Unternehmen mit dem Ziel, die ursprüngliche Topographie des Geländes bis zum Nil zu klären, wird parallel durchgeführt. In der Siedlung wurde eine 20 x 25 m² große Fläche freigelegt, um deren Strukturen und Umfang chronologisch und funktionell zu erfassen. Die Bauten sind zum großen Teil unmittelbar über der Friedhofsschicht errichtet und weisen mehrere Phasen auf. Befunde und Funde erlauben bis jetzt keine definitive Aussage über die Nutzung der Gebäude. Einzig verschiedene Vorratsvorrichtungen und dicke Mistschichten deuten auf bäuerliche Kleinwirtschaft und Viehhaltung. Zahlreiche Grabräubergruben sind im ganzen Siedlungsbereich abgetieft worden; sie reichen bis zum gewachsenen Boden und zerstören die Schichtabfolge von Bebauung und Friedhof. Deswegen sind Gräber bisher nur selten in situ vorgefunden worden, und das verworfene Fundmaterial ist stratigraphisch nicht mehr einzuordnen. Das bislang im Grabungsareal untersuchte archäologische und numismatische Material erlaubt aber eine chronologische Einordnung in das 4. bis 9. Jahrhundert, noch vor 850 n. Chr. wurde der Ort wahrscheinlich verlassen. Der antike Friedhof erstreckt sich heute über eine Fläche von ca. 450 x 350 m², ursprünglich war er doppelt so groß. Schon Ranke fand ihn von Grund auf geplündert vor. Die meisten Gräber gehören der spätrömisch-byzantinischen Zeit an, einige wenige auch der Spätzeit, der ptolemäischen und römischen Zeit. Die allgemeine Chronologie und Topographie des sehr weitläufigen Friedhofs können beim jetzigen Forschungsstand nicht genau geklärt werden; dies wird die Aufgabe der nächsten Grabungskampagnen sein.
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AGRE Agriculture in Graeco-Roman Egypt
Prof. Dr. Christian Leitz, Dr. Sandra Lippert
Die Datenbank AGRE „Agriculture in Graeco-Roman Egypt / Landwirtschaft im griechisch-römischen Ägypten“ entstand im Rahmen eines vom Land Baden-Württemberg geförderten Forschungsschwerpunkt-Programmes (Oktober 2006 bis Dezember 2008) mit dem Titel „Naturräume - Ressourcen - Landwirtschaft“ an der Universität Tübingen. Als Fortsetzung ist ein SFB „RessourcenKulturen“ geplant. Die Datenbank stellt die Vorarbeit der Ägyptologie für das geplante interdisziplinäre SFB-Teilprojekt „Eine diachrone Landwirtschaftsgeschichte Ägyptens“ dar. Sie dient dazu, Texte zu sammeln, die Informationen über Landwirtschaft und Landnutzung in Ägypten enthalten, und in übersichtlicher Form für eine einfache Recherche zu präsentieren. Neben den wesentlichen Metadaten zur Identifikation, Datierung und Herkunft der Textquellen sind einerseits die vollständigen Texte in Umschrift und Übersetzung einsehbar. Andererseits wurden relevante Angaben z.B. zu Anbauprodukten, Art und Lage von Landflächen oder Zahlungen durch Einträge auf verschiedenen Registerkarten bereits nutzerfreundlich aufbereitet. Bislang wurden über 600 demotische Quellen aufgenommen, die Daten werden weiterhin korrigiert, ergänzt und aktualisiert. Bei einer Bewilligung des SFB-Teilprojektes soll die Datenbank um hieroglyphische/hieratische, griechische, koptische und arabische Textquellen erweitert werden: Von AGRE „Agriculture in Graeco-Roman Egypt“ zu AgrE „Agriculture in Egypt“. Um AGRE als Werkzeug für Dateneingabe und Recherche mit möglichst geringen technischen Hürden und auf möglichst allen Rechnerplattformen verfügbar zu halten, erfolgte die Realisierung als online-Datenbank auf Basis von MySQL als relationalem Datenbankstandard und PHP. Technische Realisation: Clemens Liedtke, M.A.; Dateneingabe: Andreas Winkler, M.A.; Leitung: Prof. Dr. Christian Leitz, Dr. Sandra Lippert
Fritz-Thyssen-Stiftung-Projekt "Dekorationsprogramm der Grabanlage des Monthemhet"
apl. Prof. Dr. Louise Gesterman
Monthemhet (ca. 680-648 v. Chr.) war Bürgermeister in Theben und lenkte die Geschicke der Stadt in überaus krisenreichen Zeiten; er begann seine Karriere unter den beiden letzten Herrschern der 25. Dynastie, behielt seine Funktion während des assyrischen Vorstoßes bei und blieb auch unter Psametich I., dem Begründer der 26. Dynastie, in Amt und Würden. Aufbauend auf zwei größeren Untersuchungen zum Grab, die sich auf Grabungen, Sicherungsmaßnahmen und Restaurierungen beschränkten (1949/50 und 1980er/1990er Jahre) sind seit 2006 weitere Untersuchungen unter der Leitung von Dr. Farouk Gomaà durch­geführt worden. Erstmals wird nunmehr die gesamte Bandbreite des Dekorationsprogramms erkennbar. Angesichts des enormen Umfangs ist es naheliegend, die Untersuchung auf die besonders aussagekräftige Raumfolge zu konzentrieren, die von der Hauptkultstätte bis zur Sargkammer Monthemhets hinabführt und die bislang vollkommen unpubliziert geblieben ist. Dazu gehören insgesamt neun Räume, drei Stiegen und zwei weitere Kammern, die nachträglich in den Fels gehauen wurden und möglicherweise als Grab einer der Frauen Monthemhets angesehen werden können. Damit stehen dem Projekt der gesamte nördliche Bestattungstrakt und zugleich die am besten erhaltene und aussagekräftigste Raumfolge einer der bedeutendsten thebanischen Quellen aus dem Übergang von der 25. zur 26. Dynastie für die Untersuchung zur Verfügung. Im Rahmen der Studie wird das gesamte Wandprogramm der Räume inklusive der Bildreliefs (R 44-53) erfasst und dokumentiert. Im zweiten Schritt werden die Texte übersetzt sowie grammatikalisch und inhaltlich kommentiert. Vorgesehen ist darüber hinaus, die überlieferungsgeschichtlichen Bezüge der Schriften im Kontext bekannter Spruchsammlungen heraus­zuarbeiten, um so die Traditionslinien der einzelnen Texte erkennbar zu machen. Im Hinblick auf die Reliefs werden die Darstellungen kunsthistorisch eingeordnet und ikonogra­phisch analysiert. Es geht dabei jedoch nicht nur um die Grabausstattung, sondern auch um die konzeptio­nelle und sozio-kulturelle Einordnung der gesamten Grab­anlage: Welche Funktionen war den jeweiligen Räumen zu­gedacht und in welchem Verhältnis hat die religiöse Gedan­kenwelt zum realweltlich vollzogenen Ritus gestanden?
Der Tempel von Esna
Der in der ptolemäischen, vor allem aber in der römischen Epoche errichtete und dekorierte Tempel von Esna ist (neben Philae, Kom Ombo, Edfu, Dendara und Athribis) einer der großen sechs noch erhaltenen ägyptischen Tempel der griechisch-römischen Zeit (ca. 332 v. Chr. – 350 n. Chr.). Die Inschriften des Tempels wurden zwischen 1963 und 1975 in den Bänden Esna II–IV und VI (Band VII wurde 2009 posthum herausgegeben) von Serge Sauneron, dem damaligen Direktor des französischen archäologischen Instituts in Kairo (Ifao), nach den damaligen Standards mit großer Zuverlässigkeit publiziert. Seit seinem Tod infolge eines Autounfalls (1976) ruhten die Arbeiten am Tempel weitestgehend. Vor einigen Jahren begann die ägyptische Altertümerverwaltung mit der bis heute fortdauernden Restaurierung des in vielen Bereichen von starken Ruß- und Dreckschichten überzogenen Tempels, wodurch die ursprüngliche Farbigkeit der Dekoration in einigen Bereichen wieder zum Vorschein gebracht werden konnte. Die Edition von Sauneron enthält keinerlei Photos, was seinerzeit nicht nur sehr teuer, sondern ohne vorhergehende Restaurierung des Tempels auch nicht sonderlich sinnvoll gewesen wäre. An beiden Stellen setzt das jetzt begonnene Projekt in Esna ein, das in Kooperation mit zwei Abteilungen des Ministeriums für Altertümer (MoA) in Kairo durchgeführt wird. Die eine Abteilung ist das Documentation Center unter Leitung von Dr. Hisham El-Leithy, das eine vollständige photographische Dokumentation des Tempels plant. Die andere Abteilung ist das Department of Conservation unter Leitung von Mustafa Ahmed, das schon vor einiger Zeit wieder mit den Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen begonnen hat. Beide Bereiche stellen eine unabdingbare Voraussetzung für eine aktuelle und umfangreichere Bearbeitung der Inschriften und Szenen dar, in der erstmals flächendeckend philologische und ikonographische Elemente der Dekoration gemeinsam untersucht werden sollen.
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Anthropoide Sarkophage der griechisch-römischen Zeit im Ägyptischen Museum von Kairo
Prof. Dr. Christian Leitz (Tübingen), Prof. Dr. Tarek Tawfik (Kairo)
Das Ägyptische Museum in Kairo verfügt zusammen mit dem Louvre in Paris und dem British Museum in London über die weltweit größte Sammlung ägyptischer Steinsärge. Die individuell gestalteten Sarkophage stellen als häufig einziger erhaltener Teil der Bestattung eine bedeutende Quelle für das funeräre Text- und Bildgut sowie die religiösen Vorstellungen des spätzeitlichen Ägypten dar. Die rechteckigen Sarkophage sind, wenngleich ohne Zeichnungen und nur mit Überblicksphotos, im Catalogue Général vorgelegt worden (Maspero 1914) und waren teilweise Objekt einer Detailstudie (Manassa 2007). Dagegen sind die anthropoiden Sarkophage der Forschung bislang lediglich in Form einer katalogartigen Publikation zugänglich gemacht worden, die nicht einmal für jeden Sarg eine Photographie liefert (Buhl 1959). Durch das Gemeinschaftsprojekt der Abteilung für Ägyptologie des IANES an der Universität Tübingen und der Cairo University sollen die Kairener anthropoiden Steinsärge nun erstmals in einer zeitgemäßen und zuverlässigen Publikation vorgelegt werden.
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Das Alexandersanktuar in Karnak und die umgebenden Räume
Von Alexander dem Großen sind in Luxor, dem antiken Theben, zwei größere Bauwerke bekannt: Im Luxortempel nahm er eine Neudekoration des Sanktuars vor, in Karnak gestaltete er einen Teil des solaren Komplexes des sogenannten Achmenu Thutmosis III. (18. Dynastie) neu und in seinem Namen. Während das Sanktuar im Luxortempel vollständig publiziert ist, liegen vom mindestens ebenso bedeutenden Raum in Karnak nur einige Szenen verstreut veröffentlicht vor. Die abgesehen vom Alexandersanktuar bedeutendste architektonische Einheit, die im Rahmen des Projektes bearbeitet wird, ist der sogenannte Botanische Garten, in dem Thutmosis III, seltene Pflanzen und Tiere abbildete, die er von seinen Feldzügen nach Vorderasien mitbrachte. Das in der zweiten Jahreshälfte 2013 begonnene Vorhaben sieht eine erstmalige Edition der Reliefs und Inschriften des Alexandersanktuars in Karnak und der angrenzenden Räume Thutmosis III. in Kooperation mit dem Centre Franco-Égyptien d'Étude des Temples de Karnak (CFEETK) vor.
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Der Tempel als Kanon der religiösen Literatur Ägyptens
Prof. Dr. Christian Leitz
Nachdem im Jahre 332 v. Chr. Alexander der Große Ägypten erobert und 306 v. Chr. sein ehemaliger General Ptolemaios die Dynastie der Ptolemäer begründet hatte, setzte überall im Land ein gewaltiges Tempelbauprogramm ein, dessen Wurzeln vielleicht schon in die 30. Dynastie (380–342 v. Chr.) zurückreichen und das bis in das dritte nachchristliche Jahrhundert andauern sollte. Die wegen ihres erweiterten und zudem speziellen Hieroglyphensystems bisweilen schwierigen Inschriften dieser späten Tempel enthalten umfangreiche, vielfältige und nicht selten einzigartige Informationen über Kult- und Festgeschehen, über die religiöse Topographie des Nillandes, Mythen und Göttergruppen, Baugeschichte und Raumfunktionen und werden deshalb von manchen Ägyptologen zu Recht als „Bibliotheken aus Stein“ bezeichnet. Neben zahlreichen wünschenswerten Studien zu Einzelthemen fehlt bislang insbesondere ein systematischer Gesamtüberblick zu Kerninhalten, interner Vernetzung, Gestaltungsmustern sowie überlieferungsgeschichtlichen Problemen der bis ins Detail durchkomponierten ptolemäisch-römischen Tempeldekoration. Dieses Desiderat durch eine schrittweise auf Vollständigkeit ausgelegte inhaltliche und strukturelle Erschließung der griechisch-römischen Tempelinschriften zu beheben, ist ein wesentliches Ziel des Heidelberger Akademie-Projektes. Damit verknüpft ist die Frage, ob die Tempel einen verbindlichen Bestand an Textgattungen erkennen lassen, der für die ägyptische Religion eine Art Kanon bildet. Obgleich sich das Projekt vordringlich mit den ptolemäischen und römischen Tempeltexten beschäftigt, kommt ihm mit dieser Aufgabe eine Brückenfunktion zu den anderen Bereichen der Ägyptologie zu: Die Analyse der Texttradition wird dazu beitragen, diese Tempeltexte weit mehr als dies bislang der Fall ist, in das Fach zu integrieren und von einem speziellen zu einem selbstverständlichen Gebiet der Ägyptologie zu machen.
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Die Särge des Imeni und der Geheset aus Dra‘ Abu el-Naga - Textzeugen am Übergang von Sargtexten und Totenbuch
Dr. Mareike Wagner
Das beantragte Projekt zielt auf die wissenschaftliche Aufarbeitung eines Befunds zweier Holzsärge des Mittleren Reichs, die 2004 während einer Kampagne des DAI Kairo unter der Leitung von Daniel Polz im Grabungsareal H der Nekropole von Dra' Abu el-Naga gefunden wurden. Es handelt sich um ein Ensemble von Innen- und Außensarg, das für die Bestattung einer Frau namens Geheset zum Einsatz kam. Der äußere Sarg wurde ursprünglich jedoch für einen Richter namens Imeni hergestellt. Primäres Ziel des Projektes ist es, die beiden Särge zu edieren und mittels zeichnerischer und photographischer Dokumentation - die Erstellung eines 3D Models ist ebenfalls angestrebt - sowie einer Abschrift und Übersetzung der Inschriften allgemein zugänglich zu machen. Darüber hinaus sollen die beiden Särge typologisch eingeordnet werden. Eine Paläographie der unterschiedlichen Schriftarten (Relief, ornamentale Hieroglyphen, kursive Hieroglyphen) soll ebenfalls vorgenommen werden.Weitergehend sollen die Inschriften und Texte identifiziert, inhaltlich eingeordnet und kommentiert werden. Dabei soll auch eine als "Sequencing" bezeichnete Methode zum Einsatz gebracht werden. Das sich aus Pyramidentexten, Sargtexten und Kapiteln des Totenbuchs zusammensetzende Textprogramm verspricht einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung des Übergangs von den Sargtexten zum Totenbuch und der damit verbundenen Redaktionsarbeit. Diesen Prozess der "Textschmiede Theben" näher zu beleuchten, ist ein zweites Ziel des Projektes. In diesem Zuge soll auch versucht werden, die einzelnen Texte genauer zu klassifizieren. Zahlreiche der Texte sind sowohl im Corpus der Sargtexte als auch des Totenbuchs überliefert, einige nur in einem von beiden und für weitere gibt es bislang keine Parallelen. Hier soll genauer definiert werden, ob es sich nun um Sargtexte, Totenbuchkapitel oder etwa um Texte einer Zwischenphase der Redaktion handelt. Dabei gilt es eine Gruppe von späten Särgen (L1Li, S8X, M2NY und Imeni Asiut) eingehender zu betrachten und mit dem Sarg des Imeni aus Luxor zu vergleichen. Auch die bereits bekannten frühen Quellen des Totenbuchs sind dabei zu Rate zu ziehen (z.B. Mentuhotep, Satdjehuti, Herunefer).Zudem soll durch eine multiperspektivische Analyse eine exemplarische Untersuchung eines Sarges des späteren Mittleren Reiches bereitgestellt werden, um Veränderungen bzw. Verschiebungen innerhalb der Thematiken und der religiösen Vorstellungswelt zum Ende des Mittleren Reiches nachzugehen. Hierbei wird auch eine intensive Analyse des textübergreifenden Dekorationsprogramms sowohl der einzelnen Wände als auch des gesamten Sarges angestrebt. Weiterführend soll eine Einordnung des auf den Särgen genannten Personenkreises vorgenommen werden. Wer waren Imeni und Geheset, in welcher Verbindung standen sie tatsächlich zueinander, wie kam es zu der Weitergabe des Sarges des Imeni an seine Frau (?) und lassen sich beide auch noch auf anderen Denkmälern fassen?
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Sarkophag und Sarg der Aaschyt aus der 11. Dynastie (Kairo JE 47267 und JE 47355/T3C) - Edition, Kommentar und kulturhistorische Einordnung
Burkhard Backes
Das Sargensemble der Aaschyt, einer Frau König Mentuhoteps II. (ca. 2009-1959 v.u.Zt.), bestehend aus einem steinernen Sarkophag und einem hölzernen Innensarg, soll ediert und analysiert werden. Die Edition ist notwendig, da trotz der Bekanntheit insbesondere des Sarkophags und der unstrittigen kulturhistorischen Bedeutung der beiden Stücke Bildmaterial bislang nur ausschnittweise und in meist unzureichender Qualität verfügbar ist.
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Letzte Änderung: 23.06.2022